Nadja Obenaus zu Gast im Podcast Soloheldinnen Stories

Ich war zu Gast im Podcast “Soloheldinnen Stories” von Mayka Engelmann und Anneke Jansen. Mayka interviewte mich zu meiner ganz persönlichen Geschiche und Heldinnenreise. Das Ergebnis unseres Interviews gibt es hier zu hören und zu lesen.

Mayka: Ein herzliches Moin an alle Soloheldinnenen und an die, die es noch werden wollen.

Anneke: Ich bin Anneke, Gründerin der Cowork-Bude und der Soloheldinnen

Mayka: Und ich bin Mayka, Gründerin von Y-Stories.

Anneke: Und gemeinsam haben wir den Soloheldinnen Storys Podcast ins Leben gerufen.

Mayka: Warum? Weil wir gute Geschichten lieben. Und weil wir überzeugt sind, dass du durch Storys von echten Heldinnen sehr viel mehr lernen kannst, als in jedem Handbuch steht.

Anneke: Jede Folge stellen wir dir deshalb eine Soloheldin und ihren persönlichen Weg in der Selbstständigkeit vor.

Mayka: Moin liebe Nadja, schön, dass wir dich auf deiner Heldinnenreise begleiten dürfen. Stell’ dich doch mal ganz kurz vor.

Nadja: Moin Moin liebe Mayka, ich bin Nadja, Nadja Obenaus. Ich komme aus Österreich und ich lebe jetzt schon 12 Jahre in Hamburg. Es ist traumhaft, weil hier gibt es so viel Wasser.

Mayka: Ja, schön, wenig Berge.

Nadja: Wenig Berge und das ist gut so. Wenn ich auf den Berg gehen möchte, dann fahre ich nach Österreich.

Mayka: Ja, schön. Wir sprechen heute mit dir über deine Heldinnenreise und dazu haben wir immer einmal eine ganz kurze Check-in-Frage, die schon zu Verwirrung geführt hat. Mal sehen, was du so sagst. Und zwar ist die Frage: Wann hast du das letzte Mal etwas das letzte Mal gemacht?

Nadja: Das klingt ein bisschen wie “Sag niemals nie”. Also ich rauche nicht, ich trinke fast nicht. Also ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal etwas das letzte Mal gemacht habe. Ich bin das letzte Mal nach Österreich geflogen vor 8 Monaten und das hätte ich natürlich nicht gedacht. Äh ja. Aber abgesehen davon?

Mayka: Ich glaube, es geht tatsächlich eher darum, sich von etwas zu befreien oder etwas loszulassen. Vielleicht ist die Frage tatsächlich deshalb besser, wenn wir sagen: Was, was hast du in der letzten Zeit bewusst losgelassen?

Nadja: Ja, wahrscheinlich diesen Anspruch, ständig herumzureisen. Ja, ich bin ja an und für sich gerne unterwegs. Das war jetzt nicht möglich. Oder nicht so viel wie normalerweise und nur, wenn es unbedingt sein muss. Und ich bin ja schon jemand, der gerne am Wochenende wegfährt und zwischendurch nach Wien fliegt und das einfach nicht mehr zu müssen, um trotzdem beruflich voranzukommen, zu lernen und mehr via Video zu telefonieren sozusagen. Mit meinen Eltern, mit meiner Schwester, mit meinen Freunden. Das ist auch okay. Also es ist nicht schlechter, es ist vielleicht manchmal sogar intensiver. Braucht natürlich den Wunsch aller Beteiligten, dass das funktioniert. Aber vielleicht habe ich losgelassen zu glauben, dass es besser ist, wenn wir, wenn ich dann noch 5 Stunden reisen, zusätzlich in Kauf nehme.

Mayka: Ja, spannend! Dann lass uns doch direkt mal einsteigen in deine Heldinnenreise und zwar ist die Frage hier, bei dir ist so ein bisschen noch anders. Was hast du vor deiner Selbstständigkeit gemacht? Also bevor du dich bzw. zu dem entschlossen hast, was du jetzt machst, was hast du gemacht? Was war deine normale Routine?

Nadja: Ich bin ins Büro gefahren, geradelt, natürlich mit dem Fahrrad. Und dann würde ich ins Büro gehen oder bin ich früh ins Büro gegangen, habe für unterschiedliche Kunden gearbeitet, bin auch immer schon viel gereist. Als IT-Beraterin war ich damals unterwegs. Genau. Und dann habe ich verschiedene Teams betreut, verschiedene Workshops veranstaltet, natürlich Demos mit Software durchgeführt. Und ja, dann bin ich heimgekommen, irgendwann spätabends und habe vielleicht noch gesportelt und dann ging’s am nächsten Tag wieder los.

Mayka: Ja, und wann hast du das nicht mehr gemacht? Was war so der Einschnitt in diese Routine? Was ist dann passiert?

Nadja: Wann habe ich das dann nicht mehr gemacht? Na ja, irgendwann habe ich gedacht: Okay, eigentlich wäre es schon cool, wenn ich die Aufträge selbst aussuchen könnte und ja, nicht einfach das nehmen muss, was mir irgendwer als Projekt zuweist. So war das ja. Als Berater:in bekommt man Projekte zugewiesen und manchmal hat man Mitspracherecht, meistens nicht. Genau, das war der Punkt, wo ich dann gesagt habe: Es ist schön hier in Hamburg, ich habe inzwischen ein Netzwerk aufgebaut und ich möchte mir gerne die Aufträge selbst aussuchen. Das war so der ausschlaggebende Punkt, um mich selbstständig zu machen.

Mayka: Lass’ uns aber nochmal einen Schritt zurückgehen. Und zwar ist es ja so, dass du auch nicht ganz freiwillig deine Rolle und deine Tätigkeit und dein Wirken noch mal so komplett neu überdacht hast, sondern da sind ja auch Dinge in deinem Leben passiert. Das weiß ich ja aus Vorgesprächen, diversen Vorgesprächen, die tatsächlich schon ein krasser Einschnitt in diese Routine, in dieses Leben vorher sozusagen war. Magst du da noch mal was zu erzählen?

Nadja: Ja, ich glaube, so der erste gravierende Punkt war eigentlich, als meine Gesundheit auf einmal nicht mehr hundertprozentig da war. Ja, genau, das war 2014. Ich bin viel herumgereist, ich hatte gerade geheiratet. Ich habe an ein paar coolen Projekten gearbeitet und auf einmal ja. War ich sozusagen verletzt und da angerufen zu werden und zu hören “es stimmt was nicht, kommen Sie mal vorbei”. Es war natürlich richtig krass. Hmmm, ja. Und ja, und als die Ärztin dann sagte “Okay, sie werden in zwei Wochen operiert”, dann war das noch krasser. Auf einmal waren alle meine Pläne dahin und ich wurde also zum Anhalten gezwungen, könnte man sagen. Ja, genau. Und dann war ich erst einmal sechs Wochen krankgeschrieben oder so. Das hat mich schon ziemlich aus dem Konzept gebracht.

Mayka: Und was ist dann passiert? Wie bist du da so rausgekommen? War das so eine natürliche Regenerationszeit oder hat dir irgendjemand geholfen, da rauszukommen aus dieser Situation?

Nadja: Ja, das war auf jeden Fall notwendig, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf der einen Seite natürlich hatte ich Freundinnen, die gesagt haben “Hey, du könntest das und das noch alles probieren, geh mal zu dem und dem Arzt. Jetzt hole dir eine zweite Meinung ein”, damit ich wieder rauskomme.

Ich bin ja sechs Wochen nur spazieren gegangen und das war natürlich für mich als jemand, der eher so fünf bis sechs Mal die Woche trainiert, schon ziemlich, wurde ich ziemlich ausgebremst dadurch. Und dann natürlich auch diese Empfehlung “Hey, sprich doch mal mit jemandem darüber”.

Ich meine, dazu kam ja noch, dass ich beruflich nicht so richtig unterstützt wurde in meinem Heilungsprozess von meinen Kollegen, auch von meiner Chefin, wie ich mir das gerne gewünscht hätte. Und ja, auf einem weiteren Spaziergang meinte dann einmal mein Freund Thorsten, ob ich nicht Lust auf ein Coaching hätte. Weil es hätte ihm in seiner Karriereentwicklung extrem geholfen, als er sich selbstständig gemacht hat. Damals hatte ich noch nicht die Idee, mich selbstständig zu machen. Das kam dann danach. Genau. Und ja, das waren schon die ersten Entwicklungsschritte dorthin.

Mayka: Und was hat dich dann gehindert, an dem Zeitpunkt schon mehr über die Selbstständigkeit nachzudenken? Oder was musste bis dahin sozusagen noch passieren? Welche Stolpersteine musstest du noch aus dem Weg räumen?

Nadja: Ja, sich zu verabschieden. Ich war so loyal und habe über 10 Jahre für einen Konzern gearbeitet. Das loszulassen und zu sagen Okay, ihr habt es mir zwar bisher alles ermöglicht, was ich wollte, ich konnte international arbeiten, ich konnte dann im Unternehmen wechseln und nach Hamburg gehen. Da war ich schon emotional sehr gebunden an das Unternehmen tatsächlich. Das sich aber auch gerade drastisch verändert hatte in dem Moment. Und dann war es für mich doch möglich, dort auszusteigen und zu sagen, alles klar, ich prüfe noch einmal für mich: Was ist es, was ich wirklich tun möchte?

In dem Coaching habe ich dann herausgefunden, dass ich wieder in die IT gehen möchte und mehr in das agile Coaching und Scrum Mastering, das sich dann ja schon aufgetan hatte, damals 2015/2016 war das dann. Und auch die Organisationsentwicklung mehr in den Fokus nehmen möchte, das war mir dann klar. Und dann habe ich eine systemische Ausbildung angefangen und ja, dann beschlossen, dass die IT genau das braucht. Und habe mich dann wieder einer Unternehmensberatung angeschlossen und dann noch mal zwei, drei Jahre für die gearbeitet.

Mayka: Und was hat sich geändert? Auch emotional? Was war das für ein Gefühl, in dieser neuen Rolle sozusagen wieder zurückzukommen? Was hatte sich bis dahin getan für dich persönlich?

Nadja: Ja, das war schon toll, dass sich der Markt auch, oder die Wirtschaft auch  dahingehend geöffnet hat, dass es nicht nur einen Projektleiter oder eine Projektleiterin braucht, die dann alle Hüte aufhat, sozusagen. Sondern es braucht jemanden, der sich um den Prozess kümmert. Das wäre dann eher da agile Master sozusagen, oder Product Owner:in, die die Prioritäten festlegen und wissen, wohin sich das Produkt entwickeln soll und und und. Das ist mir sehr entgegengekommen, da habe ich mich besser aufgehoben gefühlt.

Und das war wahrscheinlich auch ausschlaggebend dafür, dass ich wieder zurückgegangen bin nach reiflicher Prüfung. Und gesagt habe, ja, ich möchte nicht nur in der Organisationsentwicklung arbeiten, sondern ich möchte gerne mit IT Teams arbeiten. Damals ist es ja auch vorrangig so gewesen, dass die das Budget haben. Heutzutage, Gott sei Dank, entwickelt sich das auch schon wieder weiter und das ganze Unternehmen sagt: Wir möchten uns weiterentwickeln, wir möchten gerne, dass IT Skills im Unternehmen überall vorhanden sind und nicht in einer Abteilung und dadurch krossfunktionale Teams. Das sind die Leute, mit denen ich heute zu tun habe.

Mayka: Wenn wir noch mal zurückschauen auf diesen Moment, als du dann zurückkamst. Du hattest dich ja auch zu dem Zeitpunkt, als du krank geworden bist, oder in dieser Zeit, die dann folgte, doch auch ziemlich schlecht gefühlt und auch irgendwie nicht so richtig angenommen gefühlt von diesem Team, von diesem Unternehmen. Bist du da irgendwie gestärkt daraus hervorgegangen? Als du zurück kamst, mit was für einem anderen Selbstbewusstsein oder wie auch immer bist du zurückgekommen? Also was hatte sich gefühlsmäßig bei dir verändert?

Nadja: Ja, es hat mir auf jeden Fall schon mal Zeit gegeben zu reflektieren und meine Coach sagte damals auch Ja, was hast du denn eigentlich für ein Bild von der Beraterin? Weil ich so sagte: Ja, die erwarten von mir, dass ich alle Fragen beantworte und in jede Richtung, in jedes Modul und überhaupt quasi. Sonst wäre ich ja nicht den Preis wert, den sie für mich bezahlen. Da gibt es schon krasse Rückmeldungen und da muss man schon ein eigenes Verständnis auch von dem haben, was man bereit ist zu liefern und was im Rahmen ist und was eben nicht im Rahmen ist und auch ein Standing zu haben.

Und es gibt eben nicht die eierlegende Wollmilchsau, die sich viele Kunden gerne wünschen. Und wenn man versucht, danach zu streben, die zu sein, dann macht einen das natürlich auch in irgendeiner Form rastlos und es überfordert einen einfach. Oder mich zumindest hat es überfordert. Das zu reflektieren und zu sagen, welche Rolle möchte ich einnehmen und danach auch die Möglichkeit zu haben, dass es diese Rollen gibt. Das war natürlich eine super Kombi. Genau das war jetzt ein Punkt, das einmal zu für mich zu klären im Coaching zum Beispiel. Und auf der anderen Seite auch eine Therapie zu machen und zu sagen Okay, es gibt noch andere Themen in meinem Leben, die nicht so geordnet sind, wie ich es brauche, damit ich mich gut entwickeln kann. Und da habe ich auch noch mal auf familiäre Themen geschaut. Das in Kombination hat dazu geführt, dass ich ein besseres Verständnis davon habe, wie ich auftreten möchte, wie männlich ich nach außen hin mich geben möchte.

Muss ich weiterhin Hosenanzüge tragen oder verbinde ich das eher mit meiner Leidenschaft für Kleider und trage jetzt Kostüme oder vielleicht sogar auch einen anderen Kleidungsstil als den, den ich mir angeeignet hatte, als in den Jahren, wo ich als Beraterin unterwegs war.

Mayka: Das heißt, du kamst dann sozusagen in wallenden Kleidern zurück und ich habe ein sehr schönes Bild. Ich kann es mir gut vorstellen.

Nadja: Das könnte man so sagen, ja. Seidig.

Mayka: Ja, und dann gab es da so einen Schlüsselmoment, oder irgendwas, wo du dann gemerkt hast, du bist auf dem richtigen Weg? Ein Gefühl, wofür du belohnt worden bist oder so, dass du diese Entwicklung dann noch mal so gedreht hast in deine Richtung?

Nadja: Ja. Als ich nach England gegangen bin, für ein Jahr zum Beispiel, um zu merken, dass da so viele unterschiedliche Firmen schon sich in die Transformation begeben haben und wirklich auch den Leuten, die dies schon möchten, eine Entwicklung, nicht nur einen Karrierepfad, sondern Karrierepfade in die Breite, als Expertin, als Experten zum Beispiel, aber auch als Führungsperson, wenn die eine oder der andere das wollte, zu ermöglichen und da Einzelcoaching anzubieten.

Oder auf der anderen Seite auch Team Coaching zu agilen Vorgehensweisen, aber auch zu wie wir miteinander umgehen. Zum Beispiel, wir gehen gemeinsam in ein Schloss und treffen uns da für einen Tag und erleben gemeinsam etwas Neues. Eine Team…ja, wir waren nicht wirklich duschen, aber man nennt es Stärken-Dusche zum Beispiel oder Team-Dusche. Also sich gegenseitig Komplimente zu machen, im Kreis zu stehen und zu spüren, wie viel Wertschätzung tatsächlich gegeben ist, die im Alltag nicht immer ausgedrückt wird.

Man könnte jetzt sagen das ist ja klassisches Teambuilding. Könnte man sagen, Da gibt es aber eben noch Steigerungsstufen. Und wovon ich spreche, ist digitale Facilitation. Besonders jetzt im virtuellen Raum diese Momente im Alltag unterzubringen, gemeinsam zu feiern, wenn es Erfolge gibt. Auch die Kleinen übrigens. Sich zu überlegen, wie können wir uns küren, sozusagen, wenn einer etwas Besonderes für jemand anderen getan hat. Das unmittelbar zurückzumelden zu melden und auch die entsprechende Würdigung mit einfließen zu lassen im Alltag.

Mayka: Ja. Ich weiß, du bist permanent am Weiterentwickeln und am Lernen. Und ich weiß, dass du auch eine ganz interessante Weiterbildung gemacht hast, und zwar zu Genusstrainerin. Magst du vielleicht noch mal sagen, weil du hast auch eben gesagt, das klingt jetzt nach klassisch, aber ich denke, das es alles andere als klassisch, was du anbietest. Inwieweit sozusagen auch die Entwicklung zu Genusstrainerin oder die Ausbildung zur Genusstrainerin da noch mal in deiner Entwicklung, in deiner Heldinnenreise irgendwie eine Rolle spielt, auch vielleicht für das, was du jetzt bist und tust und wie du wirkst?

Nadja: Ja, das war ganz besonders damals. Ich hatte ganz viel recherchiert im Zuge meines Coachings. Wie entwickeln sich Organisationen, wie lernen erwachsene Menschen? Was könnte ich da für mich noch rausziehen? Und im Zuge dessen bin ich auf diese Genussfähigkeit gekommen und dass Genussfähigkeit tatsächlich die Grundlage für Leistungsfähigkeit ist. Auch wenn nicht Leistung im Leistungsgesellschaftsdenken oder Sinne, sondern einfach ins Handeln zu kommen. Handlungsfähig zu bleiben, auch wenn rundherum sich alles immer schneller dreht.

Und dann bin ich auf dieses tolle Genusstrainingsausbildungsmöglichkeiten gestoßen und bin einfach nach Nürnberg gefahren zur wundervollen Jutta Kamensky. Genau. Das war so cool, drei Tage mit ihr zu verbringen und so ein geballtes Training. Einfach so eine tolle Frau, die als Gesundheitspsychologin arbeitet. Mit ihr bin ich immer noch im Kontakt. Und zu sehen, in wie vielen unterschiedlichen Bereichen das schon eingesetzt wird, das kommt ja ursprünglich aus der Traumaforschung, tatsächlich. Wie können wir, wenn wir gar keinen Lebenswillen oder nichts mehr haben, wofür es sich lohnt, wieder zurückfinden? Wie können wir das wiedererkennen, was uns mal gut getan hat? Oder was Neues finden, was wir gerne sinnlich erleben und uns dann schöne Momente im Alltag bringt?

Mayka: Ja, schön. Und hat hat dir das dann selbst auch irgendwie geholfen, als du, in diesem Tal der Tränen warst nach dieser Operation und in dieser schwierigen Phase, wo du mit deinem damals aktuellen Unternehmen und im Team so ein bisschen Schwierigkeiten hattest, weil du dir da andere Dinge erwartet hattest? Oder mehr Verständnis für so eine Verletzlichkeit, vielleicht geht es auch darum. Hat dir das auch geholfen deine Wunden zu heilen?

Nadja:

Unbedingt. Im Zuge jeder Weiterbildung verarbeitet man die eigenen Themen, habe ich zumindest das Gefühl, oder bearbeitet man die eigenen Themen. Und ja, genau das. Die Selbstfürsorge steht da ja ganz vorne. Das eine ist, was wir von außen bekommen, das andere, was wir uns selbst geben können und aus der Fülle heraus zu agieren zum Beispiel. Das alleine ist so wichtig! Die eigenen Batterien aufzuladen, sich selbst Dinge zu gönnen, zu erlauben und auch auszudrücken, die eigenen Bedürfnisse auszudrücken und manchmal werden die nicht erfüllt und dann kann man schauen, auf welchen anderen Wegen man die Bedürfnisse erfüllt bekommt.

Noch besser zu verstehen, was ist es eigentlich, was mir positive Empfindungen ermöglicht? Einmal welche Materialien, wie kleide ich mich überhaupt? Darüber hatten wir vorhin schon gesprochen. Mag ich gerne, ja, fließende Materialien oder muss es fest exakt sitzen? Oder wie viel Freiheitsgrade erlaube ich mir vielleicht auch? Und Bewegungsspielraum. Das ist jetzt in Bezug auf den Kontakt mit Materialien, aber auch was höre ich denn? Wie viel Ruhe brauche ich eigentlich? Wenn man alle Sinne durchgeht, kann man für sich ganz gut ein Genusspaket schnüren.

Und wenn man das an Bord hat, dann ist natürlich je nachdem, welche Belastung auf einen zukommt, so habe ich es zumindest empfunden, habe ich mich gut aufgestellt gefühlt, danach. Auch im Rückblick. Es war ja nachher, nachdem ich diese Erfahrung gemacht habe. Okay, mein Körper ist gerade nicht 100 % verfügbar. Wie gehe ich eigentlich damit um? Ich war ja vorher nie im Krankenhaus oder so und auf einmal werde ich operiert, auch wenn es nur kurz gedauert hat.

Aber es war trotzdem meine erste Vollnarkose. Das war schon für mich außergewöhnlich und hat mich tatsächlich sehr aus der Ruhe und aus dem Gleichgewicht gebracht. Ja, und das Genusstraining hat mir noch einmal andere Möglichkeiten aufgezeigt, wie ich damit auch umgehen kann. Weil jeder weiß ja, wenn du einmal so ein traumatisches Erlebnis hattest, das ist nicht von heute auf morgen weg, sondern das wirkt noch lange nach. Und sei es jede Technik oder jedes Vorgehen, jede kleine Übung, die, die wir uns aneignen. Super hilfreich.

Mayka: Und wann war für dich klar, dass du diese verschiedenen Elemente und Weiterbildungen nicht nur in so einem Beratungsauftrag, sondern als Selbstständige sozusagen dann ausführen wolltest? Wann war der Punkt? Wie ging dieses selbstständig machen bei dir vonstatten? Ich glaube du warst erst nebenberuflich selbständig.

Nadja: Stimmt, ich habe mich zuerst nebenberuflich selbstständig gemacht, ziemlich schnell. Dann habe ich gleich ein paar Genusstraining Aufträge bekommen. Tatsächlich, das war wunderschön, nebenbei andere Dinge tun zu können. Anders hilfreich zu sein für andere Menschen. Und das hat mich auch darin bestärkt zu sagen Okay, es gibt offensichtlich Angebote, die wertvoll sind für andere Menschen, die ich danach veräußere. Dann auch mit Social Media, auf Facebook eine Gruppe zu gründen und da die Veranstaltungen anzukündigen. Das war schon alles sehr aufregend. Und dass das auch angenommen wird, das hat mich bestärkt. Ja, und irgendwann war dann einfach der Moment gekommen, wo ich den Schritt aus der Beratung heraus gewagt habe.

Ich bin zurückgekommen aus England, ich war noch mal in Hamburg hier angestellt tätig. Und dann zu merken Alles klar, vielleicht brauche ich nicht angestellt zu sein, vielleicht gibt es auch andere Möglichkeiten und das ist auch wieder so eine Entwicklung des Marktes.

Ich möchte gerne meine eigenen Aufträge kreieren und mit bestimmten Firmen zusammenarbeiten, die mir am Herzen liegen und besonders die Mobilitätsbranche. Ich habe ganz viele Jahre für Verkehrsunternehmen, Ticketing Software beraten und ja, e-Ticketing mit begleitet. Da muss ja auch jeder für sich schauen, für wen möchte er eigentlich arbeiten? Und Mobilität ist ja schon heutzutage etwas ganz Essenzielles und von daher freut es mich natürlich auch, dass ich weiterhin da meine Skills einbringen kann und Teams begleiten kann die Smart City aufzubauen. Tatsächlich braucht es ganz viele IT.

Mayka: Und das heißt aber auch, dass du sehr viel mehr Freiheit hattest deine Dinge, die dir am Herzen liegen und die du gerne machst, wie dich weiterentwickeln, permanent lernen und so weiter und reisen, dass du auch da sozusagen durch die Selbstständigkeit einfach mehr noch Freiheiten hattest, das zu tun. Ist das richtig?

Nadja: Ja und auch nach Österreich zu fahren. Wie gesagt, man nimmt sonst die Aufträge, die man dann zugeordnet bekommt. Auf einmal natürlich auch Aufträge zu bekommen aus Österreich zum Beispiel. Das war natürlich großartig. Und wieder öfters ja, mit meiner Familie in Kontakt zu sein und gleichzeitig meiner Leidenschaft nachzugehen und das Angebot zu bringen, Teams ins Liefern zu bringen, persönliche Coaching zu betreiben und das einfach alles zu kombinieren. Das war schon wirklich großartig. Das ist immer noch sehr bewegend für mich. Das ist wie Workation, Dauerworkation!

Mayka: Das schließt tatsächlich an die nächste Frage an. Wir haben ja vorhin über Routinen gesprochen, als du als Beraterin angestellt warst. Was haben sich für neue Routinen jetzt entwickelt, seitdem du das als Selbstständige machst?

Nadja: Ich habe definitiv mehr Lernzeiten eingeplant, Fokuszeiten, mich selbst weiterzuentwickeln. Das kam tatsächlich ein bisschen zu kurz, wenn du ständig von einem Kunden zum nächsten Support, zum dritten abliefern, abliefern, abliefern, so quasi. Da bleibt oft die eigene Weiterbildung zu kurz und wird oft auch nicht in den Fokus genommen. Damals war das nicht ganz oben, wann möchtest du gerne wieder mal einen Kurs machen? Ja genau, wenn es nicht sein muss, ist es gescheiter du bedienst den Kunden, sozusagen.

Ich weiß, das hat sich heutzutage natürlich auch schon drastisch verändert in den Unternehmen zum Glück. Nur ich kann mir natürlich als Selbstständige dann auch meine Weiterbildungen selbst gönnen und Platz im Kalender dafür schaffen. Und das ist schon eine Freiheit, die ich sehr genieße.

Mayka: Und dann noch eine Frage dazu vielleicht passend. Was beinhaltet jetzt einen perfekten Tag für dich? Wie sieht dein perfekter Tag aus?

Nadja: Ein perfekter Tag schaut so aus, dass ich so gegen 7:30 Uhr aufwache und meinem Mann ein Bussi aufdrücke. Und entweder er oder ich holt dann einen Espresso. Und ja, dann beginnt es tatsächlich mit Bewegung. Also entweder, je nachdem, was heute ansteht, Radfahren, Schwimmen, Laufen, Yoga, Krafttraining. Etwas davon. Eine erste Bewegungseinheit, das macht mich glücklich. Ja, ich checke natürlich auch schon mal, meine Social-Media-Kanäle, die unterschiedlichen Chats, ob es irgendwas gibt, was ich schnell beantworten kann oder möchte. Dann mache ich das geschwind.

Ja, dann irgendwann gibt es ein kleines Frühstück und dann stehen meistens Termine an. Workshops, die ich designe, oder Einzelcoachings, die ich gebe. Danach idealerweise gehe ich noch mal raus, mach noch mal einen Spaziergang oder ein Walk and Talk oder ein Walk and PEP mit Detlef. Genau, etwas an der frischen Luft idealerweise. Und nachmittags habe ich dann meistens auch noch irgendeine Lerneinheit oder ich treffe mich mit Mayka zum podcasten, oder etwas, was mich voranbringt. Das darf man natürlich auch nicht unterschätzen, den eigenen Auftritt sozusagen nach außen im Blick zu haben. Da investiere ich auch gerne Zeit, weil das ja für mich auch bedeutet ich muss mich klären. Ich muss kreative, neue Möglichkeiten erst einmal für mich verstehen und dann schauen, wie können wir das gemeinsam umsetzen? Das macht mir auch echt viel Spaß und deswegen würde ich auch sagen gehört das zu einem idealen Tag bei mir dazu. Das tue ich auf jeden Fall oft. Ja, und dann irgendwann ist definitiv mein Mann dann auch wieder da und Olli und ich verbringen auch viel Zeit miteinander.

Das heißt, entweder wir gehen dann noch mal gemeinsam trainieren oder wir schauen uns einen Film an oder gehen raus. Und ja, je nachdem wie viel Ausgangsbeschränkung gerade ist, unternehmen wir was miteinander. Manchmal essen wir einfach gemeinsam besprechen den Tag miteinander. Das ist schon ziemlich ideal. Wenn dann noch Freunde dabei sind oder ich mit meiner Schwester telefoniere oder anderen Familienmitgliedern, mein Patenkind höre oder so. Das ist natürlich auch noch mal richtig wichtig für mich. Und dann kann der Tag gut zu Ende gehen.

Mayka: Das klingt schön. Vielleicht noch mal so einen Blick in die Zukunft. Was wünschst du dir für die Zukunft? Für dich und dein Leben?

Nadja: Ja, dass ich gesund bleibe, definitiv, und dass die Leute rund um mich gesund sind. Dass ich weiterhin meiner Intuition folge, auch wenn es manchmal gar keinen Sinn macht. Ich noch nicht weiß, wieso es sinnvoll ist, mich bestimmte Dinge ansprechen, dass ich das auch verfolge. Und dass ich weiterhin darauf vertraue, dass mich die Leute finden, die Angebote sozusagen, die ich anbieten möchte, dass die gut aufgenommen werden. Und ich die Brücken bilden kann, die gebraucht werden und die Lieferung, die Leute ins liefern lotse, die liefern möchten. Das wäre mein Wunsch.

Mayka: Ja, ich habe lustigerweise noch eine Frage, die heißt Womit macht du das Leben anderer einfacher?

Nadja: Mayka, wie mache ich dein Leben einfacher?

Mayka: Mit der unbändigen Energie vielleicht?

Nadja: Das kriegt man mit, ja genau! Also, ich lass’ einfach meine Energie sprühen und meistens habe ich auch echt viel davon anzubieten. Und das möchte ich auch sein. Eine Impulsgeberin, jemand, der unkonventionelle Ideen beiträgt, mit Leichtigkeit und Humor idealerweise. Und wenn ich das für andere sein kann, dann habe ich meinen Lebenssinn erfüllt.

Mayka: Die nächste Frage ist nämlich Warum bist du eine Heldin? Aber ich würde sagen, das schließt schon ganz wunderbar an dem an, was du gesagt hast. Und zwar, indem du Impulse gibst. Vielleicht magst du noch ein bisschen ergänzen? Fällt dir noch was ein?

Nadja: Ich weiß nicht, ob ich eine Heldin bin. Wahrscheinlich auf jeden Fall eine Heldin des Alltags. Ja, genau. Weil ich das verfolge, was mich antreibt. Weil ich glaube, dass ich auf der Welt bin, um zu gestalten, um zu lernen, um mit anderen gemeinsam gute Dinge in die Welt zu bringen. Ich habe die Weekendschool noch gar nicht erwähnt, weil ich die Kids der Weekendschool maximal inspirieren möchte und ihnen sagen möchte, dass es da draußen so viel gibt für sie. Egal wo wir herkommen und was rund um uns ist. Da gibt es so viele Leute, die uns helfen können, unseren Weg zu finden. Jeden Einzelnen. Und wenn wir zusammenhalten, dann kann das auch gut gelingen.

Mayka: Mir fällt da auch so ein bisschen zu ein Du bist die Energie. Ich stelle dich mir gerade so als Superheldin vor, mit einer grünen Energie. Grün steht für Nadja.

Nadja: Gefällt mir! Gepaart mit Orange und so..

Mayka: Ja, stimmt genau. Als komplementäre Farbe sehr wichtig. Ja schön. Wir sind am Ende deiner Reise angekommen. Vielen Dank, dass du uns mitgenommen hast auf diese Reise.

Nadja: Danke sehr.

Mayka: Nadja ist auf jeden Fall für mich eine Heldin, weil sie es immer wieder schafft, den Raum irgendwie zu halten und die Energie zu halten. Und deswegen danke ich dir sehr für das Gespräch. Vielen Dank und an unsere Hörerinnen natürlich auch vielen Dank, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet habt.